Leben in „dr‘ Hött“- ein Memorandum

Bis zum Jahre 1945 lebte die Familie Lammerich mit 6 Kindern, drei Mädchen  und drei Jungen, in dem Haus „in dr’Hött“ Nordstraße 52. Zur Rheinseite hin stand das Haus auf der rechten Grundstücksgrenze und links ging ein Weg direkt zum Rhein hinunter.

Nordstraße 52
Nordstraße 52

Die Familie hatte es zu dieser Zeit nicht leicht und um die Seinen gut ernähren zu können, fischte der Vater nebenher tagsüber mit dem „Hamen“ und nachts mit Angelschnüren – dies jeden Tag. Die Mutter ging am nächsten Morgen zu Fuß mit einer mit Rheinwasser gefüllten Zinkwanne nach Brühl zum Markt, um die Fische dort zu verkaufen. Gretchen Lammerich, später Beyer, half ihr dabei und bewachte die Fische.

Nach dem Tod des Vaters, der mit 42 Jahren durch einen Unfall auf der Brühler Straße ums Leben kam, hatte die Familie viele Schicksalsschläge durch Krieg und Leid zu überstehen. Bis 1945 lebten in dem Haus am Rhein noch die Mutter Anna Lammerich und die jüngste Tochter Elisabeth „Tante Lieschen“ mit Ihrem ersten Mann Ernst Birkholz.

Am 01.03.1945 zerstörte eine Fliegerbombe das Haus völlig und es wurde auf der linkenGrundstücksgrenze neu aufgebaut. Die Treppe zum Rhein hinunter existierte weiterhin und in der Terassenmauer wurde eine Holztüre eingebaut. Später lebte „Tante Lieschen“ allein in diesem Haus und die Treppe zum Rhein hinunter wurdezugeschüttet. Heute ist der Eingang zur Treppe wieder geöffnet zum Gedenken an die Familie Lammerich, „Tante Lieschen“ und all die Zeit, die vergangen ist – die Zeit, an die kaum noch einer denkt und an die Vergänglichkeit eines Jeden von uns.

Foto Guido Lenssen

Das Wichtigste ist die Erinnerung,  für uns und für unsere Vorfahren, für uns und für unsere Nachkommen. Sie fügt alles zusammen, sie schließt den Kreis und hält Gelebtes lebendig.

Diakon Heerdt beim Segen des Memorandums
Diakon Heerdt spendet den Segen
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Eine Antwort zu Leben in „dr‘ Hött“- ein Memorandum

  1. Guido Lenssen schreibt:

    Seit 1991 lebe ich in vierter Generation an diesem wundervollen Platz und bin sehr dankbar dafür. 2007 veränderte der Jakobsweg mit meiner Pilgerreise nach Santiago de Compostela mein Leben. Auch heute noch begleitet mich täglich das Gefühl mit dem Weg verbunden zu sein, dies sogar zunehmend… Mein Wunsch des MEMORANDUM war es, den Menschen die hier vor vielen Jahren gelebt haben – meinen Ahnen – einen Platz zu widmen, an dem auch Menschen aus der heutigen Zeit, einen Moment inne halten und vielleicht zum Nachdenken angeregt werden. Nachzudenken über die Vergänglichkeit, über das Leben und die kurze Zeit die wir alle in unserem irdischen Körpern verbringen dürfen. Jeden Tag zu genießen und die kleinen Dinge im Leben wert zu schätzen. So wie vielleicht einige Spaziergänger am Rhein entlang plötzlich aufschauen und dort stehen – an diesem Patz – so wie vor vielen Jahren diese Menschen auf den kleinen Tafeln abgebildet, an diesem Platz standen – aber niemand mehr an sie und die vergangene Zeit denkt… Ich wollte zur Gestaltung dieser Ahnen-Gedenkstätte eine Note des Jakobsweges hinzu fügen. So legte ich in den Boden eine Jakobsmuschel aus kleinen grauen matten Kieselsteinen, umsäumt von größeren schwarz polierten Steinen. Über den Bildern der Ahnen hängt nun (ausgetauscht und nicht wie im Video zu sehen) eine in Bronze gegossene Jakobsmuschel, die ich neben dem Kölner Dom in einem Geschäft für sakrale Kunst erwerben konnte… Was unglaublich ist und zu dem gesamten Zeitraum der Entstehungsphase bis zur Fertigstellung des MEMORANDUM niemand und vor allem ICH nicht wußte….. Der mittelalterliche ursprüngliche Jakobsweg ging linksrheinisch durch Wesseling und zwar am Rhein entlang. Der alte Weg ist letztes Jahr vom Dom nach Wesseling eingeweiht worden und der zweite Teil von Wesseling nach Bonn wird im Mai 2014 eingeweiht… Zwar geht heutzutage der Weg über die Kölner Straße bis zum Rheinpark, aber früher ist der Weg direkt am Rhein entlang gegangen – demnach habe ich unbewusst die Zeichen der Jakobsmuschel an dem Platz verewigt, wo es nicht hätte besser sein können. Ich bin stolz darauf auf dem Jakobsweg zu leben. Es ist ein unsichtbarer starker spiritueller Energiestrang der sich die fast 2.000 km bis nach Santiago durchzieht…und dies auch durch Wesseling! Ich bedanke mich bei allen Menschen die mir bei der Verwirklichung des MEMORANDUM geholfen haben, insbesondere Hans Heerdt der mit der Segnung dieses speziellen Platzes das MEMORANDUM am 15.08.2013 eingeweiht hat.

    BUEN CAMINO

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