Der „Leistungsoskar“ Wesseling – eine Trophäe entsteht

Gedanken zum Entwurf von Torsten Gripp

Maßgeblich für die Arbeit an dem Entwurf für einen Preis waren die Zielsetzung der Bürgerstiftung und eine enge Anbindung an Wesseling

Ich lebe seit mehr als einem Vierteljahrhundert in Wesseling und wenn ich von meiner Stadt

erzähle, höre ich immer wieder Sätze wie:

„Die liegt zwischen Köln und Bonn.“

„Da gibt es doch die großen Industrieanlagen.“

„Das ist die Stadt der Kunststoffindustrie.“

„Die Rheinuferbahn teilt die Stadt in zwei Teile.“

„Da leben aber viele Ausländer…!“

Diese Sätze offenbaren scheinbare Schwächen. Denkt man dessen ungeachtet eine Weile nach, werden diese „Schwächen“ schnell zu Stärken und man kann uneingeschränkt – JA – zu Wesseling sagen.

Bei der Vorplanung zur Leistungsoskar-Trophäe habe ich mich stark an den Werten für gute Materialien und ihre Verknüpfung orientiert. Das Material soll symbolhaft für Wesseling und starke Persönlichkeiten stehen.

Folgende Materialien finden Verwendung:

  • RUSTED IRON
  • STAHLSEIL (GEWEBTER STAHL)
  • PLASTIK
  • GOLD

Als Symbol für die Industrie, die der Pfeiler Wesselings ist, habe ich einen massiven Block Eisen gewählt. Das ist die Basis des Preises und stellt das Zentrum dar, das alle anderen Teile im Gleichgewicht hält.

Da auch diese Basis einem Wandel unterworfen ist, wählte ich als Symbol dafür das Produkt einer Oxidation – ROST.

In unserer Wertevorstellung ist Rost ein unerwünschtes Produkt und wird mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpft und beseitigt. In der asiatischen Kultur, die geprägt ist von technischer Perfektion und bewundernswerter Vollkommenheit, findet man Rost als Ausdruckmittel der kaiserlichen Kunstschmiede.

Während europäische Schmiede vergleichbarer Epochen ausdrücklich bestrebt waren, kostbare Materialien wirken zu lassen oder aber vorzutäuschen, war für den Japaner jedes verwendbare Material für die künstlerische Gestaltung wertvoll, sei es Eisen, Gold, Kupfer oder Silber. Nicht der Werkstoff an sich sollte zur Geltung gebracht werden. Den japanischen Metallhandwerker interessierte das Material mit all seinen Eigenschaften, die er sich entsprechenend seinen Möglichkeiten dienstbar machte. Die Kostbarkeit eines Gegenstandes war daher nicht a priori im edlen Material begründet sondern in der von Erfahrung geprägten Ausnutzung aller in der metallischen Grundstruktur begründeten Eigenschaften. Diese Grundhaltung, verbunden mit den jahrhundertelangen ungebrochenen Traditionen handwerklicher Meisterschaft und Erfahrung, ermöglichte es dem Schmied in Japan, gleich einem hervorragenden Künstler, die verfügbaren Metalle nach seinem Willen zu gestalten und in Bildwerken lebendig werden zu lassen.

Geht man dem Namen Wesselings nach, kommt man schnell zu dem alten „Wessel de Ling“. Es heißt, dass hier in Wesseling die Leinen der Treidelschiffe gewechselt wurden.

Für mich war bei der Planung wichtig, dass eine Leine nicht aus der Hand sondern von Hand zu Hand gewechselt wurde. Es wurde, um eine bessere Schifffahrt zu ermöglichen, ein Wechsel vorgenommen.

Das Seil ist für mich das vollkommene Symbol Wesselings und der Durchführung anstehender Änderungen zum Wohle eines gemeinsamen Zieles. Wesseling als flexible, moderne Stadt, die den Härten der Zeit mit starker Gelassenheit entgegen sieht.

Für den Preis habe ich ein Stahlseil gewählt, das bei voller Stabilität dennoch flexibel ist und allen Kräften standhält.

Verbunden ist dieses Stahlseil mit einem Block aus Plastik. Plastik ist ein Produkt der chemischen Industrie und diese steht in unmittelbarem Zusammenhang mit Wesseling. Plastik hat keine jahrhundertelange Tradition sondern existiert erst seit dem 2. Weltkrieg so richtig im Alltag der Menschen. Die Industrie in und um Wesseling hat auf diesem Gebiet große Erfahrung und Weltgeltung. Plastik ist nach den alten Maßstäben fast unzerstörbar im Sinne der Vergänglichkeit und kann in alle nur denkbaren Formen gebracht werden.

Für mich ist es ein Symbol für den Fortschritt und die technischen Möglichkeiten einer Stadt, deren Menschen, Arbeitern, Ingenieuren und Erfindern.

Auf der Basis, dem Eisen, wird eine Plakette aus Gold (vergoldet) angebracht. Der Name des Preisträgers kann darauf von einem Goldschmied passend graviert werden. Verbunden zu einer Plastik sollten die Elemente in einem ausgewogenen Verhältnis zu einander stehen und der Eindruck sollte „wertig“ sein.

Insgesamt gehe ich mit meinem Entwurf einen durchaus eigenwilligen Weg, der in seiner Gesamtheit jedoch für Wesseling steht und aus dem entstanden ist, was Wesseling auszeichnet und stark macht. Genau so, wie die Menschen, die mit diesem Preis ausgezeichnet werden.

Foto Querbach

Die erste Trophäe und er erste Preisträger Paul Nagel
Foto: Querbach

Mai 2006

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