Heimatblätter

von Fritz Graf

In der ehemaligen Gemeindeverwaltung Wesseling gab es vor vielen Jahrzehnten einen Meister der Hofkolonne mit dem Namen Poschen, welcher dafür bekannt war, immer für einen Schabernack bereit zu sein.


Nun trug es sich zu, dass der damalige Baurat Heinen an der Birkenstraße ein schönes Grundstück mit vielen Obstbäumen darauf erstanden hatte. Insbesondere mit einem schönen Apfelbaum, der voller rotbackiger Äpfel hing.

Seine Begeisterung für diese Prachtäpfel hat er dann im Tiefbauamt ganz stolz verbreitet und Mitarbeiter eingeladen, mit ihm am übernächsten Tag, das Grundstück zu besichtigen und sich dort einmal den wunderschönen Apfelbaum anzusehen.

Der Meister Poschen erfuhr von dieser Einladung und hat sich die Mühe gemacht, alle Äpfel von diesem Baum zu pflücken und stattdessen Birnen an Seidenfäden aufzuhängen.

Sodann fand unter der Führung des Hr. Heinen der Besichtigungstermin statt, aber die Besucher haben vergeblich nach dem Apfelbaum Ausschau gehalten, sie sahen ja nur einen Birnenbaum. So hat dann Hr. Heinen fast einen Schlaganfall bekommen, denn er hatte ja von einem Apfelbaum geschwärmt und ihn seinen Kollegen wärmstens ans Herz gelegt, die Pracht zu bewundern. Seine verzweifelte Erklärung, dass dort gestern noch Äpfel hingen, hat ihm allerdings niemand geglaubt.Er selber zweifelte dann mittlerweile auch selbst daran.

Tage später, als er die Birnen pflücken wollte, ist er dann dahintergekommen. Wer ihm diesen Streich gespielt hatte, hat er nie erfahren.

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Wesseling bekam eine Kläranlage und Hr. Poschen hatte auch hier als Meister der Hofkolonne den Bau der Kläranlage zu beaufsichtigen. Nun muss man sich vorstellen, dass das Gebäude langsam wuchs und die Gerüste beim Stahlbau waren, so wie in der damaligen Zeit üblich, mit Gitterrosten belegt.Es standen dann die Schweißer auf den Gitterrosten und schweißten die Stahlkonstruktion zusammen.

Wissen muss man, dass der normale Arbeiter früher hohe Schuhe trug, die am Absatz mit Metallhufeisen beschlagen waren, ähnlich wie bei einem Pferd. Während die Männer oben schweißten, nahm Herr Poschen sich ein Reserveschweißgerät zur Hand und heftete die Hufeisen der Schuhe an den Rosten fest. Als die Männer dann weggehen wollten, wunderten sie sich darüber, dass sie nicht wegkamen. Es blieb ihnen nichts anderes übrig, als die Schuhe auszuziehen und das Gerüst auf Socken hinab zu steigen.

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In jedem Dorf und so auch in der Gemeinde Wesseling gab es, wie man aus vielen Geschichten weiß, den sogenannten „Dorfdeppen“. In dem Bezirk, in dem ich geboren bin, lebten sogar zwei „Originale“. Sie waren geistig behindert, aber ansonsten harmlos und freundlich. Ein wenig bekloppt, wie man hier sagt. Ein Original wohnte auf der Kölner Straße in einem kleinen Fachwerkhaus. Nachdem sie verstorben war, stellte man fest, dass sie das Haus ausgeschachtet hatte, quasi als Keller, und den gesamten von ihr produzierten Müll, einfach dort in das Loch geworfen hatte.

Das andere Original nannte man „Kosche-Pitter“, weil auch er einen, wie mancher sagt, „an der Waffel hatte“. Das war allen Kindern bekannt und entsprechend wurden diese Menschen damals gehänselt.

Die beiden zogen oft gemeinsam mit einem Handwägelchen über die Nordstraße an den Rhein. Sie sammelten dort Treibholz und fuhren, wohin wusste man nicht so recht, mit dem Wägelchen über die Nordstraße wieder weg und verschwanden. Sie unterhielten sich sehr laut und wurden sehr oft ausgelacht.

In dieser Zeit hatten wir noch die englische Besatzung und der Kosche-Pitter schnappte hier und da ein englisches Wort auf. Man hatte ihm auch ein uraltes Funkgerät geschenkt, was nicht mehr funktionierte und damit ging er über die Straße, zeigte auf Leute und tat so, als ob er sehr wichtig durch die Gegend funkte und dann all right oder andere Worte herausbrachte.

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Während der schlechten Kriegs- und Nachkriegszeit war es nicht immer einfach, die Familie mit den notwendigen Lebensmitteln zu versorgen.

So hatte fast jede Familie, damaligen Horst-Wessel-Str., wie die Nordstraße zu dieser Zeit hieß, auch einige Gänse. Das klingt jetzt wie Jägerlatein, aber es ist tatsächlich so passiert. Jeden Morgen wenn es hell wurde marschierten bis zu 100 Gänsen die Horst-Wessel-Str. entlang, an den sogenannten Rheinberg, um hier zu grasen.

Niemand brauchte sich um diese Gänse zu kümmern. Faszinierend war auch der Rückweg. Sobald es dunkel wurde marschierten die Gänse wieder in die Richtung aus der sie vorher gekommen waren und bogen dann in ihren jeweiligen Stall ab. Wir hofften, dass es immer die selben waren, die sich in Ställen wieder einfanden.

Wie gesagt, ob das immer die gleichen Gänse waren, vermag ich nicht zu sagen, aber mit einem solchen Orientierungssinn ausgestattet, kann man wohl davon ausgehen, denn zahlenmäßig hat es immer gestimmt.

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In der Nähe der heutigen Degussa, der damaligen Chemischen Fabrik, die auch einen eigenen Anleger hatte, wurde ein Öltanker durch eine Bombe getroffen und versenkt. Einige der Öltanks auf dem Schiff blieben unversehrt. Nun ging es wie ein Lauffeuer durch die Horst-Wessel-Str. – dort sei ein Tanker getroffen worden, der hätte noch Öl, um z.B. Reibekuchen zu backen, das Nationalgericht der Wesselinger. Die Frauen und alten Männer haben sich sofort aufgemacht gelangten über mehrere Bohlen auf das Schiff und haben dort mit Eimern das Öl abgezapft und es nach Hause gebracht.

Einer wusste Rat, wie man das Öl genießbar machen könnte. Man müsse es unter Zufügung von Schwarzbrot erhitzen und damit die Giftstoffe herausfiltern. Gesagt, getan.

Vom Geruch, der danach durch die Horst-Wessel-Str. zog, war unschwer zu erkennen, dass links und rechts der Straße Reibekuchen gebacken wurden. Genauso konnte man aber am Tag darauf feststellen, dass kein Mensch mehr auf der Straße war. Was war passiert? Alle Reibekuchenesser hatten ordentlichen Durchfall bekommen. Aber zumindest hatte es leckere Reibekuchen gegeben.

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